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Sonntag, 6. November 2011

Leben aus dem Zelt

Die letzte Woche habe ich mal konsequent im Zelt gepennt und bin von dort zur Arbeit gefahren. Es ist zwar alles ein bisschen anders, aber nicht wirklich schlecht. Ein bisschen unruhiger, etwas unbequemer aber durch aus machbar. Und auf jeden Fall eine Erfahrung, die es wert ist gemacht zu werden. Sollten viel mehr Menschen machen, um sich besser in Wohnungslose hineinversetzen zu können!
Weil ich ständig auf Achse war, habe ich leider nicht so ganz viel vom eigentlichen Protest und Campleben mitbekommen. Und trotzdem war es lehrreich. - Gelebter Widerstand. Ein Zeichen sein in der Gesellschaft. Aus nichts eine Infrastruktur aufbauen. Eine Gruppe von Fremden strukturieren. War schon gut.
Nicht so gut ist hingegen, dass mich nun eine fette Erkältung ereilt hat. - Und NEIN, ich sehe da keinen direkten Zusammenhang!

Dienstag, 25. Oktober 2011

Neues Leben?!

Alder Falder! Wer hätte gedacht, dass das Leben noch mal so aufregend werden könnte. Es ist ein bisschen, als währe ich ungefähr 10 Jahre jünger. Ich habe meinen ersten eigenen Job und nächsten Monat bekomme ich ein richtiges Gehalt. Ok, ich muss mich auch um eine Krankenkasse kümmern und mit anderen Verwaltungssachen herumschlagen. Aber das könnte zum Erwachsenwerden gehören. Ich will in eine Gemeinde einsteigen und enthusiastisch wie ein Teenie mit ihr die Stadt und die ganze Welt verändern. Ich bin dabei mir ein eigenes, neues Wertesystem aufzubauen und mein Leben langsam daran auszurichten. Ich habe fest gestellt, wie gut es sich ohne eigene Wohnung leben lässt und wie gut man auf der Straße schlafen kann und doch werde ich wohl versuchen selber eine eigene Wohnung zu finden. Dass ich nun eine feste Beziehung habe, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Alder Falder! Da geht was, ich bin gespannt, was genau. Ich werde mir das sehr gut ansehen. ;-)

Samstag, 25. Juni 2011

Chaos der Gefühle aus der Westbank

Toll, da habe ich das Wochenende frei und sogar für die Hälfte der Zeit ein Auto - und komme doch zu nix. (Ich liebe den - als universales Satzzeichen.) Meine Verdauung ist wieder etwas unruhig, ich dafür im großen und ganzen um so mehr - nur schlafen und lesen - nix mit ausfliegen.
Weil's gerade noch frisch ist gibt es noch ein bisschen Nachschlag zur Westbank: Angefangen hat es damit, dass wir mit dem Auto nach Jerusalem gefahren sind. Dort haben wir uns im Büro von Musalaha einen Vortrag angehört. Eine christliche Initiative die an der Versöhnung zwischen Palästinensern und Juden und sonstwem arbeitet. Sehr schon - wo hört man denn sonst davon, dass wir eine Theologie der Versöhnung brauchen?!
Dann ging es durch den Checkpoint in der Separationwall nach Bethlehem. Die Bilder von Banksy habe ich leider verpasst. Aber wir waren in einem so genannten Flüchtlingslager. Nach UN Richtlinien gelten diese Menschen als Flüchtlinge. Auch wenn es ihre Großeltern waren, die vor Jahrzehnten vertrieben wurden. - Die Enkel wohnen heute in ordentlichen Häusern. Es ist zwar eng und die Wasserversorgung bescheiden, aber Zelte gibt es dort schon lange nicht mehr. Macht das Wort 'Flüchtling' noch Sinn?! Und fixiert die UN mit ihren Regeln diese Situation?
Nächstes schräges Ding in Bethlehem ist die Kirche mit der Abwurfstelle.  Äääh, die Geburtskirche.
Am nächsten Tag haben wir uns mit einem moderaten Siedler getroffen. Der Einblick in die Yeshivah (Talmud / Torah  Schule) war interessant, ebenso wie unser Guide. Sowas von aufgebracht und gleichzeitig konnte er sich nicht vorstellen, dass es irgendwo Unterdrückung der Palästinenser gibt. (Das um seinen Ort herum auf den dreisprachigen Schildern das Arabisch übermalt wurde muss er wohl übersehen haben.)
Dann ging es rüber nach Hebron. Mit ohne Witz, die Stadt ist geteilt. Der Sektor H2 wird von der israelischen Armee kontrolliert, um dort einige hundert Siedler zu schützen. Das bedeutet viele Checkpoints und keine Autos. Rund um die Siedler wohnen tausende Palästinenser. Bei einer solchen Familie durfte ich übernachten. Sie beklagen sich darüber von den Siedlern terrorisiert zu werden. Bäume und Autos werden angezündet, Frauen und Kinder verprügelt. Fliegende Steine sind noch harmlos dabei - aber die kamen auch auf unsere Leute zu.
Und weil dieser Eindruck noch nicht reichte ging es noch zu einem palästinensischen Dorf. Dort wurden wir von einem 'Christian Peacemaker Team' Aktivisten über die Situation in At Tuwani unterrichtet. Im wesentlichen ist es der Konflikt mit der benachbarten Siedlung. Von dort werden die Kinder auf ihrem Schulweg fast täglich mit Steinen beworfen.
Ey, ich sach ma': ich seh echt nich' durch. Aber ich halte es gerne mit dem Friedensaktivisten der sinngemäß sagte: 'Ich will gegen jeden Ungerechtigkeit kämpfen, egal wie sie (politisch) begründet oder verursacht ist!'

Freitag, 8. April 2011

Jerusalem, Besuch und Halbmarathon

Ostern ist nahe. Das erkennt man hier aber nicht an den SchokoHasen im Supermarkt, sondern an den Paletten voll mit MatzenBrot (Brot ohne Sauerteig gebacken für Passa).
Vor zwei Wochen waren meine Eltern hier. Getroffen haben wir uns in Jerusalem, denn Fadder und ich wollten am Halbmarathon teilnehmen. Dies mal ganz in echt - haben wir auch gemacht. Die Organisation in und auf Hebräisch war etwas herausfordernd. Es war uns nicht möglich mit Taxi oder Bus zum Startbereich zu gelangen, also sind wir mit einem Israeli gewandert. Wir kamen zwar erst fünf Minuten vor dem Startschuss an, aber dafür waren wir gut warm. Mit dem Ergebnis von weniger als 1:54 Stunden auf 21 km bin ich durchaus zufrieden. Leider konnte mir mein Vater bei dem Tempo nicht folgen.
Auf dem Rückweg haben wir uns noch ein bisschen die Stadt angesehen, der Polizei beim Tränengas schießen zu geguckt, uns mit Dreck bewerfen lassen und - etwas hinter die Kulissen geguckt.
In den folgenden Tagen habe ich mir mit meinen Eltern die Umgebung von Nes Ammim angesehen und dann ging es weiter an den See Genezareth.

Donnerstag, 11. November 2010

Auflösung Castor Proteste

Aus der Mütze Ruhe wurde für mich nichts. Schon 15 Minuten später wurde von der Polizei über Lautsprecher verkündet, dass sie gleich räumen wollen. Als naiver Demoanfänger habe ich brav eingepackt (ich wollte ja nix zurücklassen müssen). Aber nix passierte. Stunden lang. Zwischendurch wurden vom OrgaTeam der Blockade Updates durchgegeben. Jede Meldung über den Greenpeace LKW wurde mit Jubel quittiert. Und wir wurden darüber aufgeklärt, dass die Polizei aufgrund der Traktorblockaden nicht das nötige Material und Personal zusammen gezogen bekam um mit der Räumung anzufangen. Gegen drei Uhr war es dann doch so weit und am anderen Ende wurde begonnen. Außer dass es heller wurde änderte sich die Situation für mich bis sechs Uhr kaum. Dann waren sie so weit auch von meinem Ende her zu räumen. Also habe ich mein Gepäck auf den Rücken geklemmt und mich nach einer persönlichen Ansprache um 6:30 neben die Straße tragen lassen. Dass war's dann.
Der Rückweg führte mich wegen meiner neu gefundenen Freunde durch ein Krankenhaus und dann mit der Bahn nach Hause. Wir sind mit einem Länderticket gefahren. Aber die erste Station lag noch in einem anderen Bundesland. Der Kontrolleur war ganz kulant und meinte, dass wir das nicht gewusst hätten. Als wir dann das Ticket nachlösen wollten er gab sich dummer Weise 'zufällig ein technisches Problem', so dass er keine Fahrtscheine verkaufen konnte. - Besten Dank auch!

Mittwoch, 10. November 2010

Mediales UpDate zum Castor

Moin meine lieben Leser!

Habe links eine Umfrage zur so genannten 'wendländische Gretchenfrage' geöffnet und bitte um fleißiges Antworten.
Das Thema beschäftigt mich gerade sehr und ich beabsichtige dran zu bleiben. Und in diesem Sinne lade ich euch auch ein das Lied 'Deine Schuld' von den Ärzten anzuhören.

Dienstag, 9. November 2010

Angetreten um zu unterliegen - und trotzdem siegen? Castor Proteste

Auszüge aus einem Tagebuch Special
Montag 2010.11.08 16:11 Zug von OD nach HH
In der letzten Nacht haben 3000 Gegner den Zug solange aufgehalten, dass er erst jetzt verladen wird. Das gibt mir die Möglichkeit nachzureisen.
Straße ist einfacher und weniger illegal - denke ich. Ich brauche kein Wochenende - komme als Verstärkung. (Die Beziehung zu den Freaks ist gefloppt - ich fahre mal wieder alleine - werde aber nicht alleine sein.)
[Nach der erledigung meiner häuslichen Pflichen]habe ich mein Material in nur 20 Minuten zusammen getragen. Seit langem habe ich mal wieder von Verspätungen der Bahn profitiert. 5 Minuten reichten um gemütlich ein Ticket zu kaufen.
Hunger im Bauch, Aufregung im Kopf und was sagt Gott in meinem Herzen dazu?! -> Ich sollte die Zeit nutzen und mit ihm reden.

Montag 2010.11.08 17:06 ICE von HH nach Lüneburg
Ich bin im ICE HH -> Lüneburg. Wie dekadent. Aber ich trete ja nicht primär gegen Kommerz und Kapitalismus an.
Ist es legitim auf diese Weise die Schöpfung bewahren zu wollen?
Ist es legitim sich derartig der Obrigkeit zu wiedersetzen?

Dienstag 2010.11.08 00:05 Kurz vor dem (vorläufig endgültigen) Zwischenlager Gorleben
Habe mich erfolgreich durch gefragt und geschlagen. Für den Fußmarsch, [letzter Teil des Weges,] habe ich Anschluss gefunden und habe mich jetzt mit der Kleingruppe häuslich eingerichtet. Ich stand direkt am Tor, aber habe nur in der ersten Reihe einen Pennplatz bekommen. Zeit eine Mütze Ruhe zu nehmen, bevor es tatsächlich eigentlich richtig los geht.