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Montag, 29. April 2013

Familienleben

Während meiner Zeit in Winnipeg habe ich also erlebt, wie es sein kann in einer Familie mit kleinen Kids. 15 Monate und 3,5 Jahre. Da ist aber den ganzen Tag Trabbel und wenn mal nicht, dann ist die Ruhe sehr wertvoll. Ich habe mich kräftig als Babysitter befleißigt und 'ne Menge Spaß gehabt, wenn die Jungs am Lachen waren. Oh, das ist ein großer Lohn. Aber wehe, wenn denen etwas nicht passt- dann ist aber Theater. Zwischen durch habe ich dem Kleinen ja fast Böswilligkeit oder Zorn unterstellt. Aber der gnädige Blick der Mutter formulierte es so: "Er ist frustriert, dass er nicht mitteilen kann, was er möchte." Damit das aber möglichst selten vorkommt, haben sie hier ihren Kindern 'the american sign language' beigebracht. Also quasi Gebärdensprache um das begrenzte verbale Vokabular durch einfache Gesten erweitert. Hat den großartigen Effekt, dass der Junior vieles sagen kann wofür ihm die Worte fehlen. (Mit 'noo' als einzigem richtigen Wort kommt man nicht so weit. Warum aber sammelt er so gerne Dinge ein, gibt sie mir und verkündet durch "noo, noo" dass er sie nicht haben will? Schmeiß doch auf den Boden.) Und bei alle dem: riesigen Respekt an alle Erziehenden von kleinen Kindern!

Winnipeg ist kaum der Rede wert und mit den kleinen im Schlepptau haben wir 'nur' kleine Ausflüge gemacht. Vor der Stadt ein einem Natur Sonstwas hausen ein paar Bisons. Die habe ich in Frieden gelassen, aber von anderen habe ich probiert. Nichts außergewöhnliches, aber nicht so zäh und fettig wie Rind.
Weil der Winter einfach verflixt lang und sau kalt ist, hat man in der City ein Einkaufszentren und Gebäudeblöcke durch Tunnel oder Skywalks (überdachte Brücken) miteinander verbunden. Dann braucht man nicht raus und Kinder können nicht auf die Straße laufen.

Canada review

Es fehlt noch mindestens diese Meldung über meinen Aufenthalt in Canada. Und wartend in der Schlange stehend zum Boarding für den Transaatlantikflug ist die letzte Gelegenheit dies vor Ort zu tun. Die Tatsache, dass das Wetter zu schlecht fürs Einsteigen oder Starten ist, erweitert das Zeitfenster ungemein.

Von Canada habe ich ansich gar nicht so viel mitbekommen, aber ein paar Dinge kann ich festhalten:
+ Sie huldigen der Queen in England. - Gruselig
+ Alles muss in englisch und französisch sein. - Seltsam. Und wieso klingt Französisch etwas wie Hebräisch
+ Es ist alles noch weiter als in den USA. - Und es ist entspannter.

Und Ansonsten habe ich am Familienleben meiner Gastgeber teilgenommen.

Samstag, 20. April 2013

Chi-ca-Go

Da verlasse ich jetzt also die Gegend von Chicago. Dabei hatte ich hier doch eine gute Zeit.

Was lässt sich denn festhalten, was von mir noch nicht berichtet wurde?
Ich bin ein bisschen Straßenbahn gefahren und einen Tag durch die City von Chicago gelaufen. Jo, hier gibt es auch fette Wolkenkratzer (sogar den größten der USA) und tiefe Häuserschluchten. Und an fast jeder Ecke steht jemand, der gerne etwas Wechselgeld hätte. Fast wie in New York City / Manhatten. Nur ist die Atmosphäre eine ganz andere. Nicht so gedrängt, entspannter, langsamer. Es gibt 'ne gute Sammlung an Kultureinrichtungen und einen kilometerlangen Grünstreifen am See, der parkmäßige Ausdehnung nach deutschem Gefühl hat. (Warum der See kein Meer ist weiß man nicht. Vielleicht ist es cooler einen riesigen See zu haben, als 'n lüttes Meer? Vielleicht liegt es auch daran, dass man nach einer Atlantiküberquerung einfach das Gefühl für Gewässergrößen verloren hat.)

Ich war im Naturkundemuseum. Ich habe mir das volle Programm gegönnt um auch in die Ausstellung zur Biolumiszenz gehen zu können. Leider gab es nur Texte zum selberlesen und nur Englisch. Nicht ein einziges echtes Glühwürmchen (nur Modelle) und leuchtende Fische, die nicht zu sehen waren. Schade.
Insgesamt gab es ja mal wieder viel zu viel zu sehen. Und wenn ich mal die historischen Dinge außer Acht lasse, die ich nicht selber erfahren konnte, dann bleiben noch die geographische Sachen nach. Und ich der ich nur auf der Nordhalbkugel in begrenztem Umfang unterwegs war stelle am Modell fest, das es noch so vieles zu entdecken gibt jenseits meines Erfahrungshorizonts, von dem ich nicht mal eine Ahnung habe.
Auch sehr beeindruckend war die Sammlung an echten Saurierskeletten und anderen prähistorischen (unpassendes Wort) Knochen. Das ist sehr überzeugend und macht es leicht an die Existenz dieser Kreaturen zu glauben. Nur warum hat der Kreator nicht erklärt, wie das mit der Geschichte zusammenpasst, von der er berichtet?

Ich habe mir auch einen HotDog im ChicagoStyle genehmigt - und der hatte es in sich in Form von einer Peperoni. Da merkt man von der faden Wurst auch nix.

Donnerstag, 18. April 2013

Jesus People und Evanston Polizei

Na, das war doch mal ein prächtiges Wochenende! Das einzig wirklich nervige ist die Erkältung, die ich vom Laufen am Donnerstag mitgebracht hatte. Die trage ich auch weiter fleißig mit mir herum.

Nichts destotrotz habe ich die Gelegenheit wahrgenommen. Jemand hier vor Ort hat mir eine Führung bei den Jesus People organisiert - und das ist wertvoll, denn das Büro von denen scheint etwas chaotisch zu sein, so dass wir es nie zu einer Verabredung kamen. Ich durfte mich einer anderen Gruppe anschließen und der Geschichte lauschen. Anschließend sind die wieder abgedampft und ich blieb zum Abendessen, dass dort wie alles kostenlos ist. Bei der Gelegenheit lernte ich, wohl nicht zufällig, eine Deutsche kennen, die bei den Jesus People eingeheiratet hat und deshalb in den Staaten bleiben darf. Hinterher haben wir noch spontan das deutsche Brettspiel Funkenschlag in der englischen Fassung gespielt. Es geht darum Städte mit Strom zu versorgen. Dazu muss man Netze bauen, Kraftwerke ersteigern und die nötigen Rohstoffe organisieren. Feine Sache das. Als ich zurück kam, habe ich noch "Der Soldat James Ryan" mit zu ende geguckt und fleißig diskutiert. Das ist natuerlich durchaus interessant so zwischen jungen US Amerikanern und Deutschen.
Nachtrag zu den Jesus People: Sie sind ein Ergebnis der Vergangenheit, entstanden als Reaktion auf die Hippies. Die guten Sachen übernommen und behalten, Promiskuitaet und Drogen rausgelassen. Los ging es mit der REZ Band (mit deren Musik ich aufgewachsen bin) die durch die USA tourten und immer mehr Leute im Schlepptau hatten. Irgendwann blieben sie in Chicago hängen. Und aus den 200 wurden bald 500 Leute. Aber ihnen gefiel es nicht so sehr, so verteilt zu leben - in fünf Häusern, sie wollten dichter beieinander sein. Und durch glückliche Fügungen gelangten sie an ein geschlossenes Hotel, in dem sie nun zusammen leben. Unterm Dach gibt es noch ein paar günstige Zimmer für Senioren (ganze drei Etagen). Jeder ist Mitarbeiter, dafür ist alles ohne Bezahlung zu haben. Insgesamt ein ziemlich verrückter Haufen.

Am Samstag hab ich geholfen im Umsonst Klamottenladen Kleidung zu sortieren. Was man nicht mehr braucht kann man vorbei bringen und was man brauchen kann, darf man mit nehmen. Einfach und nicht ganz doof. Abends haben wir am Lagerfeuer im Hinterhof abgehangen. Die anderen hatten das Haus aufgeräumt und dabei eine Kiste kleine Raketen gefunden. Und im jugendlichen Überschwang haben wir ein paar davon abgefeuert. Und zack, tauchten vier Polizisten auf, es koennte ja eine Schießerei gewesen sein. Nach dem sie unsere Personalien aufgenommen hatte (es war gar kein Strafeintrag fuer mich vorhanden) nahmen sie die Raketen mit. Fünf Minuten später tauchte nochmal einer von ihnen auf und sagte, dass sie die Raketen dorthinten in die Mülltonne gepackt haben und wir sie uns wieder holen können. Das verstehe einer. Was wir aber klar verstanden haben, war das etwa vier Päckchen Raketen fehlten.

Mittwoch, 10. April 2013

Gemeinde Beobachtungen

Ich gucke mir ja ganz gerne mal verschiedene Gemeinden und Gottesdienste an. Manchmal kann ich dort was beobachten und machmal entdecke ich etwas an mir.

Zum Beispiel war ich in Philadelphia an einem Sonntag in zwei Gottesdiensten. Im ersten waren wirklich reichlich viele verschiedene Nationalitäten vertreten, genau wie die Bevölkerung ringsherum, auch obwohl sie im wesentlichen wohl von Weisen betrieben wird. Manche Leute um mich herum waren doch eine Herausforderung für meine Nase. Dass in Predigten immer wieder Beispiel vom Militär herangezogen werden oder sich Bestimmte Einheiten gar mit einem "huh" anfeuern ist für mich  befremdlich oder gar verwerflich.
Das andere war eine mit TSW verbundene junge Gemeinde, voller junger Menschen. Mit großartigen Musikern und auch sonst war einiges an Kunst vertreten. Sie haben auch verschiedene Lieder aus der ganzen Welt gesungen und hatten ordentlich Stimmung in der Bude. Die Predigt war intellektuell ansprechend und herausfordernd und sie gehen voll auf Community und Gerechtigkeit ab (habe ich mir sagen lassen).

Und doch - ich weiss noch nicht ganz warum. Aber bei Yuppies und Künstlern fühle ich mich nicht besonders wohl....

"Aus was für eine Gemeinde kommst du denn?" Ich kann es sagen, aber den Inhalt wird kaum einer verstehen. Die Jesus Freaks müsste ich erstmal erklären und die Entwicklung der letzten 20 Jahre macht das nicht eben einfacher. Aber auch zu sagen ich bin bei Baptisten aufgewachsen ist nur bedingt hilfreich. Ich vermute inzwischen, dass ich Anabaptisten sagen müsste, auch wenn das in Deutschland ein theologisches Schimpfwort sein würde.
Also versuchen wir indirekt zu kategorisieren ob meine Gemeinde konservativ ist (erstens weiss ich das nicht einfach zu beurteilen, und zweitens habe ich null Peilung was sich hier für die hinter diesem Wort verbirgt). Egal. "Wie steht denn deine Gemeinde zu den Themen Krieg, Politik, Rassismusfrage und soziale Gerechtigkeit?" Und wieder geht das Fragezeichen der Frage in mein Gesicht über und ich habe keine rechte Antwort. Ich wüsste nicht, dass wir solche Themen wirklich ernsthaft behandeln, geschweigedenn dass es einen (offiziellen) Standpunkt dazu gibt.

Andere Beobachtungen:
Es wird die Bibelstelle und die Seitenzahl der gängigen Bibel angesagt.
Eine Zeit der Besinnung oder der Stille ist nach aller spätestens zehn Sekunden zu ende. (Da habe ich mir nichtmal das Thema in Erinnerung gerufen.)
Beim Abendmahl gibt es echten Wein. (Und ich finde es geil. Hat doch ne andere Qualität.)
Eine Doxologie zu singen ist was feines. (Dafür sollte man mal eine haben, und jemand der sie schön klingen lässt.)
  Manche Dinge die so seltsam für mich aussehen haben doch etwas mystisches, gar magisches. Und das Gute daran zu verpassen wäre schade.

Hier gibt es einmal im Monat einen gemeinsamen Kreistanz. (Ich habe so viele Kreise aus dem Takt gebracht, dass ich mich nicht traute.) Aber es ging so was von gar nicht um eine Performance. Ich weiss nicht, wer überhaupt im Takt war, die Rollstuhlfahrer bestimmt nicht und das war auch scheiss egal, weil man zusammen für Gott unterwegs war. - Wertvoll.
Im Gottesdienst Gebetsanliegen aus der Community zu sammeln ist auch mal fein. Und wenn sich die Dame in Not spontan an den Moderator drückt und er sie in den Arm nimmt, während er betet, dann habe ich eine
Ahnung davon wie man hier miteinander umgeht. - Wertvoll.

Hier ist die Reba Place Fellowship in Evanston nördlich von Chicago.